Insektenschwund immer dramatischer !

Insektenschwund 1

Vorab einen Großen Dank an Prof. Dr. Herbert Zucchi  von der  Hochschule Osnabrück

(Fakultät Agrawissenschaften und Landschaftsarchitektur; Zoologie und Tierökologie ).

Am heutigen Tag erschien in der NOZ Ausgabe (24.10.2017) der folgende Leserbrief.

Nach Rücksprache mit Herrn Prof. Dr. Zucchi stellte dieser den vollständigen und ungekürzten Leserbrief zur Veröffentlichung auf dem Blog der Natur AG Bramsche zur Verfügung.

Er ist aus Sicht der Natur AG Bramsche absolut lesenswert und sollte uns zum weiteren Nachdenken und Handeln anregen !

„Insektenschwund immer dramatischer. Jährliche Gesamtmasse in den vergangenen 27 Jahren um 75 Prozent geschrumpft“, Neue OZ vom 24. Oktober 2017

Der starke Rückgang von Insekten, der sich sowohl auf die Zahl der Arten als auch auf die Individuenmenge (Biomasse) bezieht, ist in der Tat besorgniserregend. Dass dafür ein Bündel von Faktoren verantwortlich ist, ist unter Fachleuten unbestritten: Vernichtung von Hecken, Feldgehölzen und Rainen, Entwässerung von Feuchtgebieten, Ausbau von Fließgewässern, zu frühes und häufiges Mähen von Weg-, Straßen- und Gewässerrändern, noch dazu mit Rotationsmähwerken, die alles kurz und klein schlagen, Überdüngung der Landschaft, Einsatz von Pestiziden wie Glyphosat und Neonicotinoiden, Umwandlung von Grünland (Wiesen und Weiden) in Ackerland, Dominanz von Mais in der Agrarlandschaft, Fragmentierung der Landschaft durch Verkehrstrassen, der tägliche Verbrauch von 70 ha Land für Straßen, Gewerbegebiete, Wohnhäuser etc., die riesige Zahl nächtlicher Lichtquellen, zunehmend naturfeindlich gestaltete Gärten (z.B. mit Schotter) und manches Andere wirken am Niedergang der Insekten (und anderer Arten!) mit.

Insektenschwund 2

Einen herausragenden Anteil daran hat aber die immer intensiver gewordene Landwirtschaft, auch wenn das von Bauernverbandsfunktionären nach wie vor in Zweifel gezogen wird. Wenn regelmäßig etwa 40 Prozent der Äcker unseres Landes mit dem Breitbandherbizid Glyphosat gespritzt werden, bedeutet das die nahezu komplette Vernichtung der Wildpflanzen auf dieser Fläche. Und da sehr viele Insekten nun mal auf Futterpflanzen angewiesen sind, wird ihnen damit die Lebensbasis entzogen. Wie dreist oder ignorant muss man eigentlich sein, um das zu verleugnen? Besonders auffällig ist, dass sich seit Anfang der 1990er Jahre der Rückgang von Insekten beschleunigt hat. Parallel dazu wurden die gut wasserlöslichen und schwerer abbaubaren Neonicotinoide als Nervengifte gegen Insekten in der Landwirtschaft eingeführt. Verschiedene Studien englischer Wissenschaftler an unterschiedlichen Bienenarten belegen klar, dass diese Insektizide den Orientierungssinn, das Lernvermögen, die Widerstandskraft, die Lebensdauer und die Fortpflanzung der Tiere erheblich beeinträchtigen. Besonders verhängnisvoll ist es, dass Bienen die mit Neonicotinoiden behandelten Pflanzen sogar verstärkt anfliegen, die Stoffe also – ähnlich dem Nikotin beim Menschen – als Droge wirken. Natürlich muss noch Vieles im Detail erforscht werden, aber sich jetzt noch lange dumm und dämlich zu forschen und dabei das so dringend notwendige Handeln zu vergessen, wäre verhängnisvoll.

Die seit etlichen Jahren geführte Diskussion um die Neonicotinoide erinnert stark an die früheren Auseinandersetzungen um das Dichlor-Diphenyl-Trichloräthan (DDT), dessen insektizide Eigenschaft 1939 entdeckt und das dann über 30 Jahre lang massiv gegen Insekten eingesetzt wurde. Seine verheerende Wirkung auf die Tierwelt (und den Menschen!) stellte sich sehr schnell heraus und wurde vor allem von der Amerikanischen Biologin und Umweltpionierin Rachel Carson in die Öffentlichkeit transportiert, besonders durch ihr Buch „Silent Spring“ (Der stumme Frühling). Von Seiten korrupter oder ignoranter Wissenschaftler, Vertretern der chemischen Industrie und Landwirtschafts-funktionären, die das DDT in der Öffentlichkeit dreist verharmlosten, wurde sie dafür immer wieder persönlich diffamiert. Auch damals las und hörte man regelmäßig, es müsse noch geforscht werden. Der Kampf gegen das DDT dauerte lange, aber er war letztlich erfolgreich: 1971 wurde der Stoff verboten, nachdem der öffentliche Druck zu stark geworden war. Heute muss er gegen Pestizide wie Glyphosat und Neonicotinoide fortgesetzt werden!

 

Prof. Dr. Herbert Zucchi, Osnabrück

Insektenschwund 3

 

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