Bericht von der Mauersegler Kolonie St. Martin – Bramsche

Am  Montag letzter Woche war es wieder so weit. Wir durften erneut die Mauersegler der Kirchengemeinde St. Martin auf dem Kirchturm aufsuchen und beringen. Jonas Wobker stand als Beringer im Auftrag der Vogelwarte Helgoland zur Verfügung. Hierfür schon mal ein Großes Danke Schön! Unterstützt wurde er von Julia Zenner (Oldenburg) und Carsten Fuchs.

Über die enge, runde Steintreppe, die alten Holzbohlen und den knarrenden, dicken Treppenstufen geht es hinauf. An den ehrfürchtigen, alten Glocken vorbei. Bramscher Geschichte pur!!! Immer wieder schön! Darauf achtend, dass es zur vollen Stunde nicht gerade läutet. Laut !!!

Zum Schluss gelangen wir über eine kleine Holzleiter in die Turmspitze. Es ist eher dunkel, trotz des elektrischen Lichtes. Auch ein wenig stickig und rumpelig.

Wir waren gespannt, wie sich die Population wohl entwickelt hat?
Außerdem ist es immer sehr spannend, diesen wunderschönen Geschöpfen so nahe zu kommen. Ansonsten sieht man die Mauersegler ja nur innerhalb von ein paar Sekunden am Himmel oder zwischen den Häuserblöcken vorbeisausen.

Zahlreiche Blicke ab Mai in den Bramscher Sommerhimmel ließen vermuten, dass auch in diesem Jahr wieder viele Jungvögel unter dem Kirchturm St. Martin das „Licht“ der Welt erblicken werden.

Hier ein aktuelles Bild von den  „St.Martin“ – Mauersegler – Jungvögeln

Auf dem Bild kann man übrigens auch eine kleine Lausfliege erkennen. Ein Parasit, der nur von den Mauerseglern lebt. „Sie kommen und gehen quasi mit de Mauerseglern“. Gerade die Jungvögel tragen manchmal weit über 20 davon an ihrem Körper. Wenn die Mauersegler im August wieder verschwunden sind, sind auch die Lausfliegen wieder weg. Dieses Phänomen gilt aber für alle Mauersegler, und ist nicht spezifisch für die Bramscher Mauersegler. Nach dem momentanen Sachstand gibt es auch keine wissenschaftliche Erkenntnisse, die behaupten, dass die Lausfliege die Weiterentwicklung der Population der Mauersegler erheblich stört. Die Jungvögel haben nur leider keine Chance, diese Plagegeister im Flug, wie es teilweise die Alttiere tun, abzuschütteln. Für uns Menschen sind die Lausfliegen nicht „gefährlich“.

Nach kurzer Orientierung und Suche mußten wir nach und nach feststellen, dass in diesem Jahr leider weniger Jungvögel aufzufinden waren !!!

Im etwas rumpeligen Kirchturmdach muß man schon etwas genauer suchen, um die „Nester“ zu finden. An dieser Stelle sei gesagt, dass die meisten Mauersegler eher kein klassisches Nest bauen. Sie nutzen eher den blanken Boden mit etwas Geröll oder anderen herumliegenden Sachen.

Dieses Nest ( siehe folgendes Foto ) ist schon eher eine „Ausnahme“. Schon cool, wenn man bedenkt, dass die Mauersegler zu 99 % ihr Nistmaterial aus der Luft zusammen sammeln!


Auffällig war, dass wir jetzt im Juli noch viele Eier gefunden haben. Für Jungvögel, die jetzt erst schlüpfen, könnte es aus verschiedenen Gründen sehr eng werden. Schließlich verlassen uns Ende Juli die ersten Mauersegler und haben dann noch einen sehr weiten Weg vor sich.

Sofort überlegten wir, woran es liegen kann, dass die „St.Martin“ Mauersegler dieses Jahr weniger Jungvögel ausgebrütet haben? Sieht es bei den anderen Kolonien auch so aus?

Durch die Kontakte zu unserem Mauersegler Experten Axel Degen und der Kirchengemeinde Gehrde ( Frau Prima ) hatten wir von keinen Bestandseinbrüchen gehört. Eher sogar von positiven Entwicklungen! Gehrde spricht wohl von einem Rekordjahr bezgl. der Anzahl der Bruten/ Jungvögel.

Ggf. lag es an den „Bauarbeiten“ im Kirchenseitenschiff? Aber die waren ja auch zum Frühjahr wieder beendet. Oder gibt es andere Gründe? Man wird sehen…

Wir hoffen, dass es im nächsten Jahr wieder besser aussieht.

Hier eine Ansicht von oben auf eine. Mauersegler. Der Kopf ! Ist noch dran, er schaut gerade nach unten. Nun sollte man den Unterschied zu einer Schwalbe durchaus erkennen. Näheres dazu aber demnächst.


Hier noch 2 Fotos, um sich noch weitere Eindrücke zu verschaffen, wie perfekt diese Segler „gebaut“ sind:


Die wenigen Alttiere, die wir vorfanden, trugen auch teilweise noch Nistmaterial ein:

Zurück zum Thema Rückgang der Jungvögel:

Es gibt auch Überlegungen, die potentiellen Bruträume „etwas“ aufzuräumen und künstliche Nisthilfen, wie sie in Gehrde angeboten werden, anzubieten. Dabei handelt es sich um kleine Ringe aus Naturmaterial. Die hätten den Vorteil, dass die Eier nicht wegrollen würden.

Des weiteren könnte man ggf. die möglichen Bruträume durch etwas Sperrholz ( ohne Eingriff in die Baustruktur des Kirchturmes!) teilen, so dass die Mauersegler quasi ihre eigenen Parzellen hätten. Hier müssen wir mal schauen, ob uns ein Tischler ohne großen Aufwand Hilfestellung leisten kann. Die teilweisen, bautechnisch großen Bruträume sind bei den Mauerseglern teilweise stark umkämpft. Hier kommt es gelegentlich zwischen den Mauerseglern zu erbitterlichen Kämpfen, die Sie mit ihren Krallen, Schnäbeln und langen Flügeln ausfechten.Wieviel Kraft in den Krallen der Mauersegler steckt, merkt man manchmal beim Beringen, wenn Sie fest zupacken. Das kann ganz schön weh tun.

Bei der Suche nach Jungvögeln haben wir auch noch eine traurigen Fund gemacht.

Leider steckte ein Alttier im Anflugloch fest! Es war leider schon länger tot. Vermutlich muss es sich irgendwie verfangen haben und dann leider verhungert sein, da es sich nicht selber befreien konnte. Nicht schön. Wir haben es entfernt.

Positiv war wiederum, dass wir auch ein Alttier gefunden haben, dass schon beringt war. Wir sind gespannt, aus welchem Jahr dieser Vogel ist. Wenn wir eine Rückmeldung von der Vogelwarte Helgoland haben, werden wir den Artikel hier ergänzen.

Das sollte es vorerst gewesen sein. Für Anmerkungen, positive und negative Kritik ist die Natur AG Bramsche offen. Einfach das Kontaktformular nutzen.
Noch ein kleiner Hinweis. Auch wenn die „St. Martin“ Mauersegler Kolonie dieses Jahr etwas weniger angewachsen ist, so ist sie doch weiterhin ein Schatz der Kirchengemeinde und auch der Stadt Bramsche. Daher kam auch die Idee auf, ggf. auf dem Vorplatz der St. Martin Kirche eine professionell, gestaltete Infotafel aufzustellen. Das Vorhaben würde auch von der Mauersegler AG Bramsche unter der Leitung von Rolf Hammerschmidt und der Natur AG Bramsche unterstützt werden. Wir sind mit dem Vorschlag an den Kirchenvorstand herangetreten, und hoffen auf eine evtl. positive Resonanz. Schauen wir mal.
Kopf hoch, es könnte ja ein Mauersegler sein….

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